MSCI World Alternativen für Anspruchsvolle – ETFs unter der Lupe Teil 2/4

Es gibt viele gute Gründe in einen Weltweiten ETF zu investieren und genau so viele gute Gründe es aus Sicht der Nachhaltigkeit nicht zu tun. Sind dir ESG und SRI Kriterien zu lasch und schon ein großer Mischkonzern á la Nestlé, Unilever oder Coca Cola ist dir einer zu viel im Portfolio? Dann muss eine Alternative her.

Stellen wir uns also der Qual der Wahl aus unzähligen Möglichkeiten?

Nicht ganz. Im Gegensatz zu den Beschreibungen der Marketer:innen gibt es kaum einen Fonds, der Kompromisslos nachhaltig ist und sich trotzdem so breit aufstellt, dass er uns als zuverlässiges und langfristig sicheres Basis-Investment dienen kann. Wo wir mit zwei ETFs einmal rund um die Welt investieren können und über 500 verschiedene Aktien in der Tasche haben, ist das in der Welt der streng selektierenden aktiven Fonds nicht so einfach möglich.

Um als vertretbare Alternative zu taugen, muss ein Fonds nach meinen Maßstäben mindestens 100 Einzeltitel beinhalten und sowohl nach Ländern, als auch nach Branchen breit aufgestellt sein, sowie genug große und Stabile Unternehmen enthalten. Stark konzentrierte Impact- und Themenfonds kommen also nicht in Frage.

Gleichzeitig müssen die Fonds in der Titelselektion streng genug sein, sodass auch nach der strengen Bewertung von Facing Finance keine Kontroversen im Portfolio zu finden sind.

Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, müssen wir uns ein Stück von den reinen Großkonzernen entfernen und auch Fonds zulassen, die Unternehmen mit geringere Kapitalisierung beinhalten (All Cap).

Hier sind zwei Allstars für deinen dunkelgrünen Vermögensaufbau.

1. Ökoworld Ökovision Classic

Der selbsternannte Hippie unter den Investmentfonds ist alles andere als eine Modeerscheinung. Seit 1996 leistet der Ökovision grüne Pionierarbeit auf dem Finanzmarkt und ist damit auch wirtschaftlich außerordentlich erfolgreich. Wer seit Beginn dabei ist, kann sich heute über 326% Kursgewinn freuen.

Die Letzten beiden Finanzkrisen hat der Fonds gut überstanden und zeigt damit allen hartgesottenen ETF-Fans, dass man dafür nicht über tausend Einzeltitel im Portfolio haben muss.

Um sicherzugehen, dass auch wirklich nur Unternehmen in die Fondstüte kommen, die ethisch einwandfrei sind und eine positive Wirkung auf die Welt haben, verlässt man sich bei Ökoworld nicht auf externe Ratings und Analysen. Sämtliches Research wird in einem zweistufigen Verfahren unternehmensintern durchgeführt.

Zu erst überprüft das Team für Nachhaltigkeits-Analyse jedes potenzielle Investment, unabhängig von finanziellen Faktoren. Unternehmen, die dem anspruchsvollen Verfahren standhalten, bilden die Vorauswahl für das Fondsmanagement. Im zweiten Schritt bewertet dieses die Aktien nach allem, was einer Investorin oder einem Investor so Freude macht. Stabilität, Geschäftsmodell, Chancen, etc.

Das Ergebnis ist eine wirklich saubere und ausgewogen Zusammenstellung aus derzeit 110 Titeln, die man sich im gut aufbereitet Jahresbericht ansehen kann.

Der perfekte Fonds für Investment-Ökos also?

Leider nicht ganz. Die Jungs und Mädels lassen einen wichtigen Aspekt der nachhaltigen Anlage völlig unberücksichtigt: Aktive Ownership. Ökoworld stimmt nicht auf Aktionärsversammlungen und geht auch nicht mit den Konzernen in den Dialog. Natürlich kann man sagen, dass es bei einer sehr strengen Vorauswahl wahrscheinlich nicht mehr so viel zu meckern gibt, aber letztendlich muss sich eine Aktiengesellschaft nach den Vorgaben ihrer Aktionär:innen richten. Zu viel Zurückhaltung gibt nur denjenigen mehr Einfluss, denen es nicht unbedingt um Ethik beim Investment geht und verschenkt auch sonst viel Potential.

Das macht den Ökovision natürlich keinesfalls zu einem faden Kompromiss. Es ist ein wirklich erstklassiger Fonds.

Zahlen, Daten, Fakten

Einzelpositionen Kontroverse Titel* FNG-Siegel ISS ESG-Rating TER 5-Jares-Rendite
110
0 %
nicht bewertet
3/5
2,3 %
76,6 %

*nach Facing Finance

Top 10 Positionen

  • Samsung
  • Waste Management Inc.
  • Eurofins Scientific
  • Sartorius
  • Kingspan Group
  • Align Technologie
  • P. Moeller-Maersk
  • NIBE Idustrier
  • Infosys
  • Xylem

2. GLS Bank Aktienfonds

Kann die GLS Bank da noch einen drauflegen? Zumindest gehört auch sie zu den echten Ökosauriern auf dem Markt. Schon 1974 erblickte sie das Zwielicht der Finanzwelt – um eine Waldorfschule zu finanzieren. Wenn das nicht Authentisch ist, weiß ich auch nicht. Der Aktienfonds ist im Vergleich dazu noch recht jung und erfreut seine Anleger:innen erst seit 2013 mit einer ansehnlichen grünen Rendite – immerhin 108% seit Auflage.

Auch die Ökobanker:innen aus Bochum betreiben für ihre Hauseigenen Fonds eigenes Research. Aus einem ersten Ideen-Pool wird in einem mehrstufigen Verfahren ein ethisch einwandfreies Anlageuniversum kondensiert, in welchem jedes Unternehmen einen sozialen oder ökologischen Nutzen bringt. Dann geht es ans Portfolio-Building.

Die derzeit 105 Aktiengesellschaften werden auch nach der erstmaligen Zulassung für den Fonds laufen überprüft. Taucht eine mögliche Kontroverse auf, geht das Team der GLS Bank mit dem betreffenden Unternehmen in den Dialog (Engagement). Erst wenn sich der Verdacht erhärtet und sich keine Lösung finden lässt, zieht sich der Fonds aus dem Investment zurück.

Eine Stimmrechtsausübung ist der GLS allerdings nicht möglich, da sie nicht selbst die Kapitalverwaltungsgesellschaft ist.

Dafür gibt es eine weitere Besonderheit:

All Cap ist im GLS Aktien Fonds Programm, denn es wird auch in aufstrebende Jungunternehmen investiert. Diese werden so mit Kapital versorgt und es entsteht eine deutlich höhere Wirkung der Anlage, als das bei Aktienkäufen über den Sekundärmarkt der Fall ist. Auf der anderen Seite ist das Ausfallrisiko ungleich höher als bei großen und etablierten Unternehmen. Der Fonds entfernt sich so noch ein kleines Stück weiter vom Konzept der sicheren Basis-Anlage. Highlight oder nicht, das hängt von deinen persönlichen Ansprüchen ab.

Zahlen, Daten, Fakten

Einzelpositionen Kontroverse Titel* FNG-Siegel ISS ESG-Rating TER 5-Jares-Rendite
105
0 %
nicht bewertet
5/5
1,48 %
81,4 %

*nach Facing Finance

Top 10 Positionen

  • Deutsche Post
  • Deutsche Telekom
  • Takeda Pharmaceutical
  • ASML
  • STMicroelectronics
  • Elisa Oyj
  • Sartorius
  • Telecom Italia
  • BCE
  • Tryg AS Navne 

Fazit

Kompromisslos grün heißt immer, dass die Portfolios entsprechend klein und konzentriert sind. Nach der klassischen Bewertung werden sie dadurch anfälliger und unsicherer. Die Rendite kann in Zukunft stärker vom Markt abweichen und auch deutlich geringer ausfallen.

Das ist allerdings nur eine Betrachtungsweise. Für alle, die hohe Ansprüche haben und vielleicht auch die Grenzen des konventionellen Wirtschaftswachstums nahen sehen, kann einer der beiden Fonds die richtige Wahl sein. Sicherheit und Rendite steigen in gleichem Maße wie die globale Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft voranschreitet.

 

Bis bald.

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Weiter lesen:

  • faire-fonds.info
  • fng-siegel.org
  • ecoreporter.de
  • fondsweb.com
  • GLS.de
  • Oekoworld.com